Linienzucht oder Outcross?

Die Inzucht oder Linienzucht wird meist nur von Zuchtanfängern negativ zerreredet, die in der Zucht noch keinerlei Erfahrung und Wissen haben und somit natürlich auch keine Linienkenntnisse. Jedenfalls keine in der Praxis.

Outcross ist ein Linienmix von nicht gefestigten Linien, verdeckt kann genetisch alles mögliche getragen werden und überraschend können Gendefekte die von beiden Seiten der Elterntiere genetisch getragen werden, plötzlich auftauchen. Man weiß nichts Genaues was drin steckt. Die Würfe sind sehr verschieden im Typ, in der Größe und auch verschieden im Wesen, da ist nichts homogenes.

Vorteile einer Linienzucht

Überlegte und gut durchdachte Linienzucht mit einem dosierten Maß an Inzucht ist nötig um seine Zucht zu formen und ein eigenes Gesicht zu geben und sich einen gewünschten Typ, eine gewünschte Größe, einen gewünschten Charakter sowie sonstige Qualitäten und Gleichförmigkeit der eigenen Nachzucht durchzusetzen und immer wieder zu verbessern. Hierbei muß der Geno- sowie der Phänotyp stimmen.

Es heißt die Blutlinie besonderer und natürlich absolut gesunder Vorfahren zu konzentrien.

Man geht an eine Linienzucht nicht heran um Defekte aufzudecken, sondern um etwas zu festigen. Man macht keine Linienzucht oder gar Rückverpaarungen, wenn man den Verdacht hat es könnten Defekte in der Linie sein.

Das bedarf natürlich langjähriges züchterisches Wissen vom Linienhintergrund der eigenen Zuchttiere bis hin zu vielen Generationen, die schon hinten aus dem Stammbaum herrausfallen. Man muß als Züchter wissen und auch in Kauf nehmen, das nicht jede Verpaarung erfolgreich ist. Auch wenn es noch so schöne Tiere aus erfolgreichen Worldwinnern sind, kann das Ergebnis unbefriedigend bis enttäuschend sein. Manchmal ist es ein Wagnis das man eingehen muß, sehr gute Ergebnisse kann man über Linienzucht erreichen, die man mit einer Outcrossverpaarung niemals bekommt.

Bei einer Linienzucht ist zu berücksichtigen das bestimmte Anlagen und Merkmale (positive wie auch negative) oftmals eine Generation überspringen, so das die Gene der Großeltern einen besonderen Stellenwert haben und man muß dann wissen ob sie vererbungssicher und frei von Mängeln über Generationen sind. Dazu gehört nunmal absolute Linienkenntnis seiner eigenen Tiere.

Es ist nur was für Profis!

Hat man als Züchter sich eine saubere Linie über Generationen herrausgezüchtet kann man mit einem Outcrosskater versuchen bestimmte Merkmale fremder Linien einzukreuzen und auch zu verbessern. Evtuell verbessern?!

Man kann dadurch aber auch das bereits erreichte Ziel seiner Rasse ruinieren, denn man geht somit aus seiner Linie zu 50% raus um mit einer anderen Linie zu verpaaren. Das kann einen guten Erfolg bringen. Bringt es das, heißt es aber wieder in seine eigenen Linien zurückzugehen. Mehrere Outcross in Folge ist das Aus (s)einer Linienzucht, denn es entstehen Tiere mit sehr heterogenen Erbgut, welches eben aus verschiedenen Vorfahren stammt. Von solchen Verpaarungen sind die Erwartungen an gute Zuchtergebnisse und gute rassetypische Merkmale reine Spekulation.

Um seine Zuchtziele zu verwirklichen gehört eine gut durchdachte Linienzucht dazu und auch eine gnadenlose Selektion ohne Kompromisse. Das lehrte mich vor 25 Jahren ein sehr erfolgreicher Pferdezüchter, dem ich immer aufmerksam zuhörte wenn er erzählte.

Das Zuchtziel - und über Züchten allgemein.

Beweggründe einer Zucht sollten weder sein, das man gerne einmal kleine Kätzchen aufziehen möchte, weil sie doch so niedlich sind, noch - das die Kinder der Familie mal erleben sollten, kleine Katzen aufzuziehen oder das Wunder einer Geburt erleben sollen.

Die meisten haben zwar irgendwie alle so in etwa angefangen, aber......

.....Züchten ist etwas ganz anderes.

Das Zuchtziel ist in den ersten Jahren einer Zucht erstmal sekundär, da kann man noch kein direktes Zuchtziel haben, das muß wachsen.

Ein Zuchtziel sollte nicht sein, gesundheitlich stabile, menschenbezogene und wesensfeste Kitten anzubieten, denn das sollte eigentlich für jeden ordentlichen Züchter eine Selbstverständlichkeit sein, das ist Voraussetzung, aber kein ZUCHTziel. Auch ist es kein Zuchtziel die Maine Coon in Ihrer Art zu erhalten oder den Typ so zu züchten wie er vor zig Jahren mal war.
Das ist ja kein Ziel!!

Ein Zuchtziel ist, über Generationen genetisch einwandfreien Nachwuchs herauszumendeln, seinen eigenen markanten Typ herrauszuzüchten, den man selbst über Generationen wiedererkennt, ein Typ, wo man selber sagen kann "das ist ein Geschöpf meines Zwingernamens", da habe ich dran gearbeitet.

Züchten heißt, Linienverflechtungen die man über Jahre weiterzüchtet und die gut durchdacht sind. Der Erfolg des Züchtens ist konsequente Selektion der Zuchttiere, d.h. keine Konzessionen machen in der Gesundheit des Zuchtstammes. Nur das Beste ist gut für die Zucht.

Züchten bedeutet:

Leidenschaft, es ist ein ewiges Streben nach Perfektion, aber Vorsicht, es kann sehr schnell zur Sucht werden. Züchten bedeutet, Verpaarungen die interessant sind auszuprobieren und wenn sie die Erwartungen nicht erfüllt haben, auch die Konsequenzen zu ziehen.

Züchten bedeutet, als Züchter im Inneren immer ein bißchen unzufrieden und kritisch zu sein, denn Zufriedenheit ist Stillstand. Man muß immer wieder Verbessern, sollte niemals stehen bleiben.

Es ist niemand seriöser oder ein besserer Züchter, nur weil er 1 bis 3 Würfe im Jahr macht. Ein ernsthafter Züchter züchtet und selektiert und hat dementsprechend auch mehr Würfe. Wer natürlich nur "vermehrt" um Kitten in die Welt zu setzen, nur zum Verkauf um die Anzeigenportale zu befüllen, nichts behält und nur Liebhaberkitten heranzieht, hat ja kein Zuchtziel.

Ein Ziel ist es auch, neben dem Zuchtziel, in gute Zuchten zu verkaufen, einen guten Preis zu bekommen, und nicht regional denken zu müssen, sondern weltweit.

Dafür muss man aber auch manchmal gut investieren mit:
1. Ab und zu einen guten linieninteressanten Zukauf an Zuchttieren
2. Gesundheitsvorsorgen, negative Schallergebnisse, negative Gentests vorweisen können

Ernsthaftes Züchten ist auch, wenn man nicht immer nur dieselbe Verpaarung macht,

Wer im Jahr vier Würfe hat und seine Kitten nicht mehr verkaufen kann, schmeißt mitunter das Handtuch. Arbeitet man nicht mit Verstand in einer Katzenzucht, entwickelt man sich auf Dauer als Kittenproduzierer, der auch keinen richtigen Spaß mehr an der Zucht hat, weil er auf der Stelle tritt und keine oder kaum Erfolge hat.
Zucht verstehen nur sehr wenige.




Über Züchten allgemein

Mit jedem neuen Wurf ist man immer wieder gespannt, ob sich die Wünsche und Erwartungen erfüllen, die man an gewisse Verpaarungen hat, ob es Überraschungen gibt, mit denen man nie gerechnet hätte usw. Es ist einfach immer wieder spannend.

Züchten heißt in Generationen zu denken und immer 2-3 Jahre voraus zu planen und gute Gene in sorgsam bedachten Verpaarungen weiter zu geben. Dazu gehört Voraussicht und Kenntnisse aus vergangenen Linien, es bedeutet Beobachten der Linien die man bevorzugt und Kontakte zu anderen Züchtern zu pflegen. Das kann man nicht in 5 Jahren können, wissen und erlernen.

Züchten bedeutet Linienarbeit, Veränderungen der Verpaarungen, auch um begehrlich zu bleiben. Einem erfolgreichen Züchter wird es immer um die Sache gehen, nämlich schöne und gesunde Nachwuchstiere zu züchten, ein soveräner Züchter wird sich nicht viel mit Querelen, Neid und Streitigkeiten abgeben, sondern konsequent sein Ziel verfolgen.

Züchten bedeutet, seinen ganz eigenen Weg zu gehen, sein eigenes Konzept zu haben und sich nicht beeinflussen zu lassen. Ein Züchter muss in der Lage sein, auch mit Sorgen und Leid umzugehen und auch nach herben Rückschlägen trotzdem weiterzumachen und nach vorne zu schauen. Das heißt im Klartext:

Ein Züchter muß manchmal ein Kreuz haben wie ein Bauarbeiter und Nerven wie ein Kettenhemd, um auch mit Neid Mißgunst und auch mit Züchterstreitigkeiten umgehen zu können . Ja ja, auch das gibt es reichlich, gerade in der MC-Szene *lach.

Ein gutes Sprichwort gab mir mal eine langjährige Perserzüchterin vor 30 Jahren, die sagte: "Wer nicht auf die Schnauze fallen will, muss auf dem Bauch kriechen."
WIE WAHR!!

Für Sensibelchen ist Züchten einfach nichts!!
Denn gerade wenn Kitten mal krank sind, brauchen sie uns ganz und gar, mit klarem Kopf. Und nicht dem Nervenzusammenbruch nahe. Jammern und Heulen bringt keinem etwas, am allerwenigsten den Tieren. Man muss es anpacken, auch wenn einem das Herz fast zerreisst. Man muss es ertragen können auch mal das ein oder andere Tier zu verlieren. Wer das nicht kann sollte die Finger vom Züchten lassen, denn er wird unglücklich werden.

Es ist wichtig auf die eigenen Zuchtergebnisse stolz zu sein und nicht danach zu streben, was andere machen oder wie andere es sehen wollen.

Als Züchter lernt man etwas, was auch sonst recht hilfreich im Leben ist - das Loslassen!

Fühlt man beim ersten Wurf noch so, als ob die Kätzchen bei den neuen Besitzern quasi noch "eigene Kitten" wären, die nur woanders leben so lernt man im Laufe der Zeit, daß mit dem Verkauf des Kätzchens der neue Besitzer die Verantwortung für das kleine Katzenkind übernommen hat. Und man als Züchter wenig Rechte hat, an dem kleinen Tierchen.

Auch Dieses loslassen ist schwer

Wenn man als Züchter so ein kleines, schutzloses Wesen in der Hand hält, dann steht man tatsächlich weitesgehend alleine da mit seinem Wissen und seiner Verantwortung. Von Tierärzten - das ist ja weitgehendst bekannt - kann man nicht viel erwarten, sie haben zu wenig Erfahrung mit Zucht und Aufzucht.

Und hat man nun so ein kleines Baby in der Hand, es wird gefüttert, man kämpft um jedes Gramm (dies darf wörtlich genommen werden), man schläft kaum noch, Familie, Freunde, Haushalt, Wochenendvergnügungen - nun diese Dinge bleiben in dieser Zeit aussen vor. Das Kleine klettert einem nach kurzer Zeit selbstständig in die Hand und dann verliert man es trotz allem was man getan hat.

Das ist etwas, was die Liebhaber nicht wissen, weil wir sie damit nicht belasten. Sie sehen ihr kuscheliges Baby, sie sehen aber auch oftmals nur das Geld was sie vielleicht bezahlen mussten. Was jedoch dahinter steht, welche Arbeit, welche Zeit und natürlich auch mit dementsprechenden Futter, dies sehen sie nicht. Weil wir das ja so wollten.

Man wächst mit seinen Aufgaben und Gott sei Dank überwiegt die Freude an diesem Hobby.


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